12./13. Juni 2015  Bieler Lauftage - 100-km-Stafette

 

Bericht einer 100-km-Stafetten-´Mitläuferin´

 

Lange haben Bettina Eyhorn und Silke Steffen für den 100-km-Lauf trainiert, und uns beim Lauftreff TSG Schopfheim mit Ihrer Begeisterung bei wachsender Spannung angesteckt. Um diese Atmosphäre hautnah miterleben zu können, meldeten sich fünf weitere Läuferinnen für die 100-km-Stafette in Biel. Für jede von uns ca. 20 km, das geht immer.

 

Am Freitag, den 12. Juni in Biel kurz vor dem Start des 100-km-Laufs treffen wir uns: die drei ´100er´, ihre Fahrradbegleitung Bernadette und Robert Kern, Familienmitglieder, und die fünf Stafetten-Läuferinnen. Wir wünschen uns Glück und Guten Lauf. Die Stimmung ist perfekt, als der Sprecher verkündet, dass es für diese Nacht keinen Regen und vor allem keine Gewitter mehr geben werde.

Kurz nach dem Start der ´100er´ um 22:00 Uhr lassen wir unsere Startläuferin Renata Villari zurück – der Stafettenstart ist erst um 23:00 Uhr - und eilen zum Auto, um die erste Wechselzone in Aarberg vor unseren 100-km-Läufern zu erreichen.

Bei der schönen alten Holzbrücke, von Müdigkeit noch keine Spur, beobachten wir Erlebnisläufer und Walker, für die das Rennen hier in Aarberg schon zu Ende ist. Bald laufen die ersten 100-km-Läufer durch, unglaublich schnell. Und dann, das gibt´s doch nicht, man hört Bettina und Silke schwätzen, bevor sie um die Ecke biegen. Sie sind ziemlich schnell und laufen zusammen. Klaus kommt zwei Minuten später, ebenfalls sehr locker.

Renata, die eine Stunde später gestartet ist, kommt entsprechend später an und gibt ihre Startnummer mit Zeitnahmechip an Alice Weeber weiter. Sie habe sich von einer Läuferin mit ähnlicher Geschwindigkeit mitziehen lassen und sich dabei ein wenig unterhalten, berichtet sie. Es ist Samstag kurz vor 1:00 Uhr und auf dem hell erleuchteten Stadtplatz von Aarberg noch viel los.

Nächste Station: Oberramsern. Da die Laufstrecke für Fahrzeuge gesperrt ist, nähern wir uns von Süden. In dieser ländlichen Gegend ist es ziemlich dunkel. Deshalb sieht man schon von weitem eine Kette tanzender Lichter, die sich wie Glühwürmchen von Westen auf Oberramsern zubewegt. Es sind die Stirnlampen der Läufer und die Beleuchtung der Begleitfahrräder, die hinter Aarberg zu den Läufern gestoßen sind. Auch hier sehen wir Bettina und Silke, zusammen mit Bernadette auf dem Velo. Die Läuferinnen haben jetzt schon fast einen Marathon in den Beinen, wirken aber immer noch frisch, was man von einigen anderen Läufern nicht mehr sagen kann. Kurz darauf kommt Klaus mit Velo-Coach Robert, auch er läuft noch gut.

Alice übergibt an mich mit der Hinweis, dass das Laufen im Dunkeln eine besondere Erfahrung sei und volle Aufmerksamkeit erfordere. Es ist jetzt kurz vor 3:00 Uhr. Hatte ich beim Warten noch gedacht, es sei kalt, bricht mir nach 20 Schritten schon der Schweiß aus.

Wie in allen Teilstrecken geht es immer wieder ´mal bergauf. Viele 100-km-Läufer gehen dann. Ihre Fahrradbegleiter fahren Schlangenlinien oder schieben, manche haben Musik dabei, manche unterhalten ihre Partner mit einseitigen Gesprächen. Dass ich so viele Läufer überhole, kommt sonst nie vor. Für mich sind es aber nur gut 18 km, die 100-km-Läufer haben gerade die Hälfte ihrer Strecke geschafft. An der 50 km Markierung werden Fotos gemacht. Kurz bevor ich mein Ziel Kirchberg erreiche, beginnt es, im Osten hell zu werden.

Viola Buchmann übernimmt kurz vor 5:00 Uhr in Kirchberg und macht sich auf den Abschnitt mit dem sogenannten „Ho Chi Minh-Pfad“. Das ist ein schmales Wegstück durch einen Wald, uneben, mit Baumwurzeln, auf dem schlecht überholt werden kann. Die Velo-Begleiter müssen außen herum fahren. Es wird langsam hell und das morgendliche Vogelkonzert entschädigt für die schwierige Strecke.

Letzter Wechsel in Bibern. Wir haben relativ lange gebraucht, bis wir den Ort erreicht haben, und machen nicht den Versuch, unsere drei 100-km-Läufer im Dorf noch zu sehen.

In Kirchberg waren Bettina und Silke immer noch zusammen und ganz gut drauf. Wir denken, jetzt werden sie auch zusammen bleiben und es auf jeden Fall schaffen. Sie hatten viel gemeinsam trainiert, aber verabredet, dass jede ihre eigene Geschwindigkeit läuft, wenn es sich so ergibt. Klaus hatte eher für sich trainiert und sich erst kurzfristig angemeldet. Er lag in Kirchberg nur ca. 10 Minuten hinter den beiden Frauen.

Wir bleiben einfach mal eine Viertelstunde im Auto sitzen und ruhen. Dann geht es aber zurück an die Strecke. Jeder Läufer, jede Läuferin wird von den zahlreichen Zuschauern kräftig beklatscht. Die 100-km-Läufer haben jetzt fast 80 km hinter sich.

Petra Gries startet gegen 7:00 Uhr auf die letzte Etappe. Wir sind alle froh, dass sie bereit war, die längste und teilweise langweilige Strecke nach einer durchwachten Nacht zu übernehmen.

Zurück nach Biel zum Ziel. Jetzt ist keiner mehr müde. Wir treffen Freunde und Verwandte wieder, warten gemeinsam und applaudieren allen Zieleinläufern. Da kommt Kai Horschig aus Schopfheim, wir jubeln, er hat es hoffentlich bemerkt.

Dann, gegen 8:30 Uhr, nach nur 10 Stunden, 31 Minuten und 8 Sekunden überqueren Bettina und Silke strahlend, Hand in Hand gemeinsam die Ziellinie. Bernadette hat ihnen kurz vorher schon schwarz-rot-gelbe Siegerkränze aufgesetzt. Während die beiden sich hinsetzen und erstmal ausgiebig trinken, warten wir auf Klaus. Klaus läuft 24 Minuten nach den Mädels ebenfalls ziemlich locker ins Ziel.

Um 9:10 Uhr kommt Petra, die auf dem allerletzten Stückchen von uns übrigen vier Stafetten-Läuferinnen im Zielbereich begleitet wird. Unsere Ehre ist gerettet. Wir sind zu fünft nacheinander wenigstens ein wenig schneller gewesen als unsere 100 km Heldinnen.

 

Von ca. 1300 100-km-Startern sind 926 ins Ziel gekommen, der schnellste Mann in 7 Stunden und 2 Minuten, die letzten Läufer nach 21:00 Stunden.

ChH